In der Tierarztpraxis stehen Narkosen an der Tagesordnung. Täglich werden Kastrationen, Zahnsanierungen oder andere Operationen durchgeführt. Natürlich weiß jeder, dass es immer ein Narkoserisiko gibt. Aber niemand rechnet damit, dass wirklich etwas passiert. Aber auch, wenn die Risiken durchaus überschaubar sind, sind sie doch real.

Das Narkoserisko ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Rasse und Alter des Tieres, Narkoseform, Überwachung, Vorerkrankungen sowie Art des Eingriffs etc.

Vor jeder Narkose wird das Tier gründlich untersucht. Sollte es Ihrem Tier am OP-Tag nicht gut gehen (Durchfall, andere Schmerzen, Fieber, ungewöhnliches Verhalten etc.), teilen Sie es uns bitte mit. Um Vorerkrankungen bestmöglichst auszuschließen, empfiehlt sich eine Blutuntersuchung.

Die Narkosemittel sind bewährt und haben keine/nur wenig Nebenwirkungen. Das Wichtigste ist eine gute Narkoseüberwachung. Es werden Herz- und Atemfrequenz sowie die Reflexe überprüft.

Da die Narkosemittel Wirkungen auf den Magen-Darm-Trakt haben, müssen die Patienten (außer Vögel und Heimtiere) 8-12 Stunden vorher nüchtern gelassen werden. Bei vorheriger Futteraufnahme kann es sein, dass das Tier erbricht und hochgewürgte Speisereste die Atemwege verlegen. Auch in der Aufwachphase sind Übelkeit und Erbrechen möglich. Es ist wichtig, dass darauf geachtet wird, dass hochgewürgte Flüssigkeit und Futtereste aus der Maulhöhle entfernt werden. Wasser darf bis zur OP zur freien Verfügung vorhanden sein.

Nach der Operation bekommen Sie von uns eine Erklärung und Anweisung, wie es mit Ihrem Liebling weiter geht und worauf Sie achten müssen. Meistens werden weitere Medikamente (z.B. Schmerzmittel) mitgegeben. Das Tier sollte den restlichen Rausch bei Zimmertemperatur ausschlafen dürfen. Positionieren Sie es so, dass es nicht stürzen kann (Achtung beim Sofa oder Treppen). Manche Patienten heulen und jammern. Dies kann sehr anstrengend sein und klingt auch besorgniserregend. Allerdings sind es normale Nachwirkungen der Narkose und haben nichts mit Schmerzen zu tun. Manche Tiere beruhigen sich in Gesellschaft schnell wieder. Diese Phase kann aber einen halben Tag oder Nacht andauern.

Wenn der Patient richtig geradeaus laufen kann und nicht mehr torkelt, dürfen Sie ihm etwas zu trinken anbieten. Wenn er nicht erbricht, darf ihm auch eine Kleinigkeit zu futtern angeboten bekommen.

Sollten Probleme auftreten, kontaktieren Sie uns bitte sofort!

Trotz aller Sorgfalt kann es vorkommen, dass ein Tier in der Narkose stirbt. Das ist eine Tragödie: für das Tier, für den Tierhalter, die Familie, aber auch für uns als Tierarztpraxis. Auch wenn bei manchen Patienten das Narkoserisiko höher ist als bei anderen (ein übergewichtiges, altes Tier mit Herz- oder Atemproblemen hat ein höheres Risiko als ein junges, gesundes Tier), geht man – auch wir- immer davon aus und hofft, dass alles gut geht. Stirbt ein Tier mit einem geringen Risiko, empfiehlt sich eine pathologische Untersuchung. Die Klärung des Todesursache kostet zwar Geld, hilft aber auch Unsicherheiten (Was wäre wenn, Hätten wir nicht… usw.) aus der Welt zu schaffen. Allerdings kann man das Tier nach der Untersuchung nicht beerdigen, da das aus hygienischen Gründen nicht möglich ist. Und genau wie der Pathologe müssen auch wir- trotz des Todes- unsere Leistungen berechnen.


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