Haben Sie es schon gemerkt? Wenn man früher mit dem Auto einmal von Hamburg nach Berlin gefahren ist, musste man die Scheiben mühevoll säubern. Jetzt können Sie so oft fahren, wie Sie wollen und werden kaum eine schmutzige Windschutzscheibe haben. Im Oktober 2017 wurde die Studie „More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas“ veröffentlich. Die Ergebnisse sind alarmierend: In 27 Jahren ist bei den Fluginsekten die Biomasse um 75 % zurück gegangen. Damit geht es nicht mehr darum, ob es ein Insektensterben gibt, sondern wie es aufzuhalten ist.

Auch wenn viele von uns nun an die lästigen Mücken und Fliegen denken, ist die Welt der Insekten doch viel mehr. Insekten dienen als Nahrungsquelle für Reptilien, Amphibien und für viele Vogelarten. Durch die Vielfalt ihrer Arten arbeiten sie als Regulatoren und können die Ausbreitung schädlicher Insekten eindämmen. Es wurde zum Beispiel heraus gefunden, das in ameisenreichen Regionen weniger Zecken vorkommen. Eine wichtige Aufgabe ist die Bestäubung der Pflanzen. Über 90 % der Pflanzen sind auf eine Bestäubung angewiesen. Findet diese nicht mehr statt, ist die tierische und menschliche Ernährung nicht mehr gesichert. Aus diesem Grund ist die Biene das wichtigste Nutztier.

Die Ursachen für das Insektensterben und damit auch Rückgang von anderen Tierarten sind vielfältig. Zum einen wird der Lebensraum immer weniger (70 Hektar werden pro Tag versiegelt!), die landwirtschaftlich genutzen Flächen werden immer „pflegeleichter“ bestellt und die Monokulturen gedeihen. Die Ackerflächen reichen häufig bis an die Straße, Knicks verschwinden und vorher karge Grasflächen werden nun stark mit Gülle gedüngt und verändern so die Standortbedingungen für die Pflanzen.

Eine Hauptursache sind wohl in den Herbiziden zu sehen. Deutschland gehört zu den vier EU-Staaten, die am meisten Pestizide verbrauchen. Zum einen werden auf den Ackerflächen sämtliche Beikräuter vernichtet aber auch in den Kleingärten oder den Gärten am Haus ist die Chemie mittlerweile zu Hause. Pflaster und Gehsteige werden gespritzt, damit bloß kein Grashalm sichtbar ist. Schnecken werden mit Schneckenkorn abgetötet oder vertrieben. Durch „aufgeräumte “ Gärten, in denen kein altes Laub oder Unkräuter (oder eher Kräuter z.B. Brennesseln) zu finden sind, werden sich auch nicht viele Insekten finden.

Was kann man also tun? Natürlich kann man seinen Garten insektenfreundlich gestalten. Es gibt Saaten für Wildblumenwiesen und auch Insektenhotels werden gerne angenommen. Zur Unterstützung kann man Wasser und Lehm anbieten, damit können die Höhlen einfach verschlossen werden.

Aber auch „Städter“ können mit helfen. Man kann sich insektenfreundlich ernähren, in dem man den Fleischkonsum einschränkt und möglicht saisonal und regional einkauft.

Machen Sie mit! Das Insektensterben geht uns alle an!

 

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