Kennen Sie das Schlagwort „Fachkräftemangel“? Klar – aus der Industrie und aus der Presse ist es nicht mehr weg zu denken. Auch bei den Handwerkern macht es sich bemerkbar. Es ist ja schon schwierig, einen Handwerker für kleinere Aufgaben zu finden. Aber in der Tierarztpraxis? Hier auf dem Land? Oder – wenn man so will – im Hamburger Umland?

Ab und zu merken Tierbesitzern an, dass sie in der Sprechstunde lange warten müssen oder das nicht dringende Operationen erst in ein oder zwei Wochen durchgeführt werden können. Natürlich würden wir die Wartezeit gerne verkürzen. Aber wie? Jeder Patient brauch seine Zeit- sowohl für die Anamnese durch den Besitzer, als auch für eine gründliche Untersuchung und manchmal für weitere Diagnostik. Mit einem Assistenten könnte man die Sprechstundenzeiten erweitern und einige Operationen früher durchführen. Aber woher soll dieser kommen?

Seit einem Jahr suchen wir Verstärkung. Aktiv mit Annoncen und Aushängen als auch passiv. In Tierarztzeitschriften finden sich Announcen mit Arbeitsangeboten über mehrere Seiten. Aber die Announcen von Tierärzten und Tierärztinnen, die eine Stelle suchen, passen auf eine Viertelseite. Diejenigen, die eine Stelle suchen, möchten nicht aufs Land, sie möchten möglichst keine Wochenendarbeiten oder Nachtdienste leisten. Aber gerade eine kleine Praxis funktioniert nur, wenn jeder mal diese Dienste übernimmt.

Ähnlich verhält es sich mit Tiermedizinischen Fachangestellten bzw. mit Azubis. Während man vor ein paar Jahren noch mit Bewerbungen quasi überhäuft wurde, freut man sich heute über jede Bewerbung. Aber nicht jeder Bewerber oder Bewerberin ist auch geeignet und passt ins Team. Tatsache ist, dass sich die Bewerbungskandidaten mit „Sie hören von mir“ verabschieden.

Während das für viele Besitzer eine Randnotiz ist, weitet es sich für die Urlaubsplanung oder im Krankheitsfall zu einem echten Problem aus. Tiere kennen keinen Urlaub und werden zu allen möglichen Zeiten krank. Ich möchte meine Praxis mit allen Sorgenkindern in guten Händen wissen. Gleichzeitig kann ich unmöglich 7 Tage die Woche 24 h parat stehen. In meinem Beruf bin ich fast immer in Bereitschaft und arbeite gerne. Aber auch ich werde mal krank oder brauche mal eine Auszeit um neue Energie zu tanken… Es gibt hauptberufliche Praxisvertreter. Diese berechnen ungefähr 2500€ pro Woche, dazu kommen Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Gleichzeitig laufen die eigenen Kosten natürlich weiter, und auch der Urlaub kostet Geld. Dieses Geld muss durch die Vertretung erstmal wieder erwirtschaftet werden. Dies ist natürlich doppelt schwierig, weil zu einer fremden Person noch kein Vertrauensverhältnis bestehen kann. Alternativ könnten wir die Praxis auch schließen. Aber das ist für kranke Tiere , für Notfälle keine Lösung. Oder man sucht nach einer weiteren Lösung, z.B. in dem man die Hilfe von Kollegen im Ruhestand in Anspruch nimmt.

Aus diesem Grund bin ich natürlich froh, dass mir mit Herrn Eberle und meiner Mutter zwei erfahrene Tierärzte zur Seite stehen und die Betreuung in meiner Abwesenheit übernehmen. Natürlich behandeln sie die Patienten anders, benutzen andere Medikamente und reden anders mit Tier und Besitzer, aber sie sind für den Notfall erreichbar und stehen kompetent und mit viel Erfahrung in der Praxis.

Wenn Ihnen weitere Lösungen einfallen oder Sie zufällig arbeitslose Tierärzte kennen…sprechen Sie mich gerne darauf an!

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